Die Waisenhauskapelle in Nörten (heute Nörten-Hardenberg) ist ein bedeutendes historisches Zeugnis, das eng mit der sozialen und religiösen Entwicklung des Ortes verknüpft ist. Hier ist ein Überblick
über ihre Geschichte:
Ursprung und Bau
Das ehemalige Waisenhaus befindet sich in der Göttinger Straße 75.
- Erbauung: Das Gebäude wurde im Jahr 1732 errichtet.
- Architektur: Es handelt sich um ein traufständiges Gebäude mit einem Krüppelwalmdach. Besonders markant ist der verschieferte,
achteckige Dachreiter, der die Funktion eines kleinen Kirchturms übernimmt und die Kapelle nach außen hin sichtbar macht.
Die Kapelle als religiöses Zentrum
Die Kapelle im Inneren des Hauses diente ursprünglich der geistlichen Versorgung der Waisenkinder. Ihre Bedeutung wuchs jedoch im 19. Jahrhundert erheblich:
- Evangelische Zuflucht: Bevor Nörten eine eigene evangelische Kirche hatte (die Christuskirche wurde erst 1904 eingeweiht), war die Kapelle im
Waisenhaus der zentrale Ort für die evangelischen Bewohner des Fleckens.
- Zuweisung 1868: Ab 1868 wurde den evangelischen Gläubigen die Waisenhauskapelle offiziell für ihre Gottesdienste zugewiesen, da die Gemeinde zu
dieser Zeit stark wuchs, aber noch über kein eigenes Gotteshaus verfügte.
Das "Hardenbergische Waisenhaus"
Das Haus selbst war als Hardenbergische Stiftung bekannt.
- Zweck: Es diente der Aufnahme und Erziehung von Waisen und Kindern aus armen Verhältnissen. Die Kinder wurden dort nicht nur versorgt, sondern auch
religiös unterwiesen und auf ein Arbeitsleben vorbereitet.
- Bauliche Merkmale: Die Kapelle verfügt über eine Empore, was typisch für die Bauzeit und die Nutzung durch eine größere
Gruppe von Heimbewohnern und Gemeindemitgliedern war. Die Fassade ist schlicht gehalten (Putzfassade) mit Eckquaderungen aus Sandstein.
Heutige Nutzung
Nachdem das Gebäude lange Zeit leer stand oder anderweitig genutzt wurde, stand es im Fokus von Sanierungsbemühungen.
- Restaurierung: Das "Ehemalige Waisenhaus" wurde in den letzten Jahren aufwendig saniert und zu Wohnzwecken umgebaut, wobei der historische
Charakter und die prägenden Elemente wie der Dachreiter erhalten blieben.
- Denkmalschutz: Heute steht das gesamte Ensemble als Einzelbaudenkmal unter Schutz und gilt als eines der prägendsten historischen Gebäude an der
Göttinger Straße.
Tipp: Wenn Sie sich für die Details der Innenausstattung oder alte Aufnahmen interessieren, bietet das Heimathaus des Geschichtsvereins
Nörten-Hardenberg oft Ausstellungen und Infomaterial zu diesem speziellen Kapitel der Ortsgeschichte an.
Die Waisenhauskapelle 1966 (Luftbild).