Der Ratskeller in Nörten-Hardenberg blickt auf eine über 600-jährige Geschichte zurück und ist eines der markantesten Gebäude im historischen Kern des Fleckens. Seine Geschichte ist eng mit der Verwaltung und dem gesellschaftlichen Leben des Ortes verknüpft.
Ursprung im 15. Jahrhundert: Die Wurzeln des Gebäudes reichen bis in das Jahr 1427 zurück. Damals erlaubten die Herren von Hardenberg den Bau eines sogenannten „Spielhauses“ (das damalige Wort für Rathaus), unter dem Keller angelegt werden durften.
Zerstörung und Wiederaufbau: Im Laufe der Jahrhunderte litt das Gebäude unter Kriegen und Bränden. Besonders folgenschwer war das Jahr 1626, als das Rathaus während kriegerischer Auseinandersetzungen einäscherte. Der Wiederaufbau in seiner heutigen Grundform als stattlicher Fachwerkbau begann um 1628/1630.
Vom Rathaus zum Amtsgericht: Bis 1866 diente das Haus als Sitz der örtlichen Verwaltung. Danach wurde es zum Amtsgericht umfunktioniert. Bis 1938 waren dort noch Amtsstuben untergebracht, bevor die rein gastronomische und hotelwirtschaftliche Nutzung in den Vordergrund rückte.
Das Schankrecht: Schon früh war das Gebäude ein zentraler Ort für den Ausschank. Bereits 1715 gab es feste Pachtbedingungen, und ab 1807 durfte dort neben Bier und Branntwein auch Wein ausgeschenkt werden.
Heute steht der Ratskeller (Lange Straße 80) als Einzeldenkmal unter Schutz.
Bauweise: Es handelt sich um ein traditionelles, mehrstöckiges Fachwerkhaus. Auffällig ist der Wetterhahn auf dem Dach, der Inschriften aus dem 18. Jahrhundert trägt.
Die „Ratsherrenstube“: In diesem Raum wurden früher wichtige politische Entscheidungen getroffen. Heute wird er oft für Seminare oder feierliche Anlässe genutzt, wobei der historische Charme erhalten blieb.
Eigentum der Realgemeinde: Eine Besonderheit ist, dass der Ratskeller seit Jahrhunderten Eigentum der Realgemeinde Nörten ist – einer historischen Genossenschaft der alteingesessenen Bürger.
Der Ratskeller war Rathaus ( Verwaltung , Bürgermeistersitz und Gemeinderat , Realgemeindesitz, Amtsgericht, Saal und Gastwirtschaft ) – im Besitz der „ Allmende“
( Bürger von Nörten), Vorläufer der Post , Ort für öffentliche Verhandlungen und Beschlüsse .
Alle Informationen über den Ratskeller verdanken wir dem Kanoniker Johann Wolf. Das Gebäude heute noch als Nr. 1 am Stiftsplatz. Der „ Krüger „Ratskrüger“ , Pächter des Ratskellers, zahlte ( immer wieder umkämpfte) Verpachtungsgebühren . Es waren u.a. gleichzeitig seinen Aufgaben , als Gastwirt auch für das Öffnen und Schließen des etwa 100 Meter entfernt liegenen nördlichen Stadttores zu garantieren . Er hatte Schlüsselgewalt, kassierte die Gebühren und andere Gelder . Vom Ratskeller aus wurde alles Wichtige geregelt.
Dort war das wichtigste Gebäude des ganzen Ortes.
Der Ratskeller am Marktplatz lag aber auch an einem kleinen Wasserlauf , dem Mühlenbach
( der Twetge „“ Zwetschge“ - „ geteilt“), mit dem das Wasser des Beverbaches aus Richtung Bishausen vorbei durch die Marktmühle und die Papenmühle ( westlich der Pfarrkirche) in die Leine floss. Dieser Bach wurde in den 1970iger Jahren verrohrt und von der Langen Straße aus über das heutige „Alte Dorf“ abgeleitet.
Bei der ersten Errichtung eines „ Rahthauses“ des heutigen Ratskellers ,am 21. April 1427 erlauben Hildebrand und Dietrich von Hardenberg dem Dorf ein neues „ Spielhaus“ zu bauen und darunter einen Keller anzulegen. Zunächst wurde der linke ( nördliche ) Teil vom„ Rahthaus „, freies Stadthaus ) errichtet und mit einem Strohdach gedeckt. 1633 kam nach Osten ein größerer Raum für Versammlungen hinzu.., 1634 folgten Stallungen . Die Bürgerhäuser an der Nordseite des Marktplatzes gab es zunächst nicht, sodass rings um das Rathaus freie Fläche war und von allen Fahrzeugen zum Befahren, Lagern, Markt etc. genutzt werden konnte. Dieser Teil ist unterkellert und diente – wie zu hören war – auch als Raum für unterschiedliche Feste, „ Gelage“, öffentliche Schützen- und private Feiern , Von diesem ersten Ratskeller-Gebäudeteil aus konnte die „ Allmende“ ( Nörtener Bürger ) vom Marktpatz aus den Gerichtsverhandlungen auch bei Bedarf von einer „ Tribüne“ aus folgen. Die Ratsklause“ war das repräsentativste Gebäude. Zwischen 1369 und 1389 fand wahrscheinlich der Ausbau der mittelalterlichen Marktsiedlung statt.
Bezahlt wurden die Arbeiten von den Bürgern durch die Abgabe von Markt- und Zollgebühren. Holz hatte man ja im Nörtener Wald genug zur Verfügung.
Seit seinen Anfängen wird der „Ratskeller“ als Eigentum der Realgemeinde an Interessenten verpachtet. Im Jahre 1965 konnte man 250jähriges Jubiläum feiern. In diesem Kreis finden sich Privatpersonen, Ehepaare, Bäcker, Schlachter, Brauereien und auch der Hardenberg. Im damaligen Garten kam 1849 eine Kegelbahn hinzu. Heute gibt es diese nicht mehr . 1980 berichtete Rudolf Wenig in einem Buch von dem Wiederaufbau des Ratskellers nach dessen Zerstörung durch den 30.jährigen Krieg, Mehrfachen Anträgen, das gesamte Anwesen zu verkaufen, folgten die Realgemeindebürger Bürger nicht. Zuletzt wurde von 2012 bis 2016 das Haus grundlegend saniert.
Der Ratskeller am Ende des 19. Jahrhunderts: