Geschichtsverein Nörten-Hardenberg
Geschichtsverein Nörten-Hardenberg

Katholische Kirche

Die katholische Kirche in Nörten (heute Nörten-Hardenberg) blickt auf eine über 1200-jährige Geschichte zurück und zählt zu den bedeutendsten christlichen Zentren Südniedersachsens. Die heutige Pfarrkirche St. Martin steht an einem Ort, der bereits im frühen Mittelalter eine enorme strategische und religiöse Bedeutung hatte.

​Hier sind die wichtigsten Meilensteine ihrer Geschichte:

​1. Frühe Anfänge und Missionierung (8. Jahrhundert)

  • Älteste Kirche Südniedersachsens: Archäologische Grabungen (besonders im Jahr 2014) belegen, dass bereits zwischen 741 und 768 an dieser Stelle eine erste Steinkirche errichtet wurde. Damit ist der Standort älter als der Hildesheimer Dom.
  • Das "Auge des Bischofs": Nörten wurde Sitz eines Archidiakonats des Erzbistums Mainz. Als „oculus episcopi“ (Auge des Bischofs) war es das Verwaltungszentrum für ein riesiges Gebiet, das bis zu 300 Kirchen und Kapellen umfasste.

​2. Das Petersstift (1055–1809)

  • Gründung: Im Jahr 1055 gründete Erzbischof Lupold von Mainz das Chorherrenstift St. Peter an der bereits bestehenden Martinskirche. Die Kanoniker (Stiftsherren) prägten über Jahrhunderte das geistliche und kulturelle Leben im Ort.
  • Die Krypta: Im 12. Jahrhundert wurde eine romanische Krypta unter dem Altarraum erbaut. Diese wurde nach der Zerstörung des Vorgängerbaus im 17. Jahrhundert verschüttet und erst 2014 wiederentdeckt – ein archäologischer Fund von europäischem Rang.

​3. Schicksalsjahre und Reformation

  • Gotischer Neubau: Nach einem verheerenden Brand um 1300 wurde eine gotische Kirche errichtet.
  • Konfessionelles Tauziehen: Da Nörten eine Mainzer Exklave im sonst protestantischen Umland war, blieb die Stiftskirche auch während der Reformation katholisch. Dies führte zu ständigen Spannungen mit den welfischen Herzögen und der Stadt Göttingen. In Kriegen (wie dem Dreißigjährigen Krieg) wurde die Kirche mehrfach schwer beschädigt.
  • Säkularisation: Im Jahr 1809 wurde das Stift offiziell aufgehoben.

​4. Die heutige Kirche (1895)

​Da die alte gotische Kirche Ende des 19. Jahrhunderts baufällig war, entschied man sich für einen Neubau:

  • Architektur: Die heutige Kirche wurde 1894/95 im neuromanischen Stil (nach Plänen von Richard Herzig) erbaut. Sie ist als dreischiffige Basilika mit zwei markanten Chorflankentürmen gestaltet.
  • Symbolik: Der prächtige Bau sollte bewusst an die große Tradition des Nörtener Stifts erinnern. Im Tympanon über dem Hauptportal sieht man Christus zwischen den beiden Patronen: dem Stiftspatron St. Peter und dem Pfarrpatron St. Martin.

​5. Archäologische Sensation 2014

​Bei einer Neupflasterung des Stiftsplatzes stießen Bauarbeiter auf die Fundamente der Vorgängerbauten und die oben erwähnte romanische Stiftskrypta. Obwohl diese aus konservatorischen Gründen wieder verfüllt wurde, lieferte sie wertvolle Erkenntnisse über die Bedeutung Nörtens im Hochmittelalter.

Wussten Sie schon?

In der Nähe von Nörten befindet sich auch das Kloster Marienstein, das ebenfalls eine sehr alte Geschichte hat und eng mit der katholischen Tradition der Region verbunden ist. Dort kann man heute noch eine begehbare romanische Krypta besichtigen.

Die alte Kirche (1894 abgerissen):

1966:

Bilder der Ausgrabungsarbeiten 2014:

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